[Demokratische Unternehmen] Teil 2 – Die Motivation

Mit Schrecken stellte ich nach einem Kommentar auf Teil 1 der “Demokratische Unternehmen”-Reihe Schluss war, obwohl die Texte sein langer Zeit auf meiner Platte ruhen. In der nächten Zeit werde ich meine Gedanken und Texte noch einmal kritisch überarbeiten, denn in den letzten Wochen hat sich möglicherweise großes angekündigt. Mit LiquidFeedback, einer web-basierten Softwareimplementierung des Liquid Democracy Verfahrens ist ein Tool bei der Piratenpartei an den Start gegangen, das in meinen ersten Gedanken auch die moderne Unternehmenführung umkrempeln und vor allem das Thema “Demokratische Unternehmen” befruchten könnte. Dazu aber bald mehr.

Als Vorgeschmack gibt’s heute Teil 2, die Motivation hinter dem Ganzen.

Die Motivation

Warum mit Traditionen und alten Machtverhältnissen in Unternehmen brechen, wenn diese selbst ernannten Global Player doch Millionen und Abermillionen Gewinn abwerfen?

(M)eine Antwort lautet: Lebensqualität.

Klingt auf den ersten Blick komisch, doch schauen wir einmal genauer hin.

Stark hierarchisch geführte Unternehmen gleichen tendenziell totalitären Regimen, in denen unliebsame Mitarbeiter über kurz oder lang vor die Tür gesetzt werden und die soziale Verpflichtung dem Menschen an sich gegenüber schon einmal in Vergessenheit gerät, wenn dicke Renditen winken.

Diese Haltung schadet nicht nur den Mitarbeitern, die ob solcher Behandlung oft verunsichert, verärgert und unmotiviert morgens ihren Zweitwohnsitz betreten. Darüber täuschen auch kleine Pflaster wie Gehaltserhöhungen oder Gratis-Eis bei 30°C im Schatten nicht hinweg. Nette Gesten, die das Gesamtkonzept der – provokativ gesagt – modernen Sklavenhaltung nicht gänzlich zu überdecken in der Lage sind.

Es liegt also auf der Hand, dass unter mangelnder Motivation nicht zuletzt die Jahresbilanz leidet, was wiederum hektische Betriebsamkeit in den oberen Führungsebenen hervorruft. Meist mit der Folge verringerten Personals.

Betrachten wir in diesem Kontext den Mitarbeiter, den Menschen, der mit all diesen Probleme tagtäglich konfrontiert wird, sind Existenzängste, Ärger, Stress und nicht zuletzt gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht weiter verwunderlich. Gerade in der aufstrebenden IT-Branche fühlt sich das Burn-Out-Syndrom, gekoppelt mit Depressionen, in wachsendem Maße heimisch.

Fernab von Unternehmensbilanzen und Dividenden leidet vor allem der Mensch unter den genannten Faktoren, womit sich der Kreis zur Lebensqualität schließt.

Die weiteren gesamtwirtschaftlichen Folgen beleuchten wir an dieser Stelle absichtlich nicht, da es den Rahmen dieser Abhandlung sprengen würde. Als Stichwort sei nur kurz das Gesundheitswesen und die daran gekoppelten Krankenversicherungen genannt.

Fassen wir auch hier die Motivation in einer Frage kurz zusammen:

Ist es möglich, die allgemeine Lebensqualität durch eine Verbesserung der Arbeitssituation im qualitativen Sinne und die demokratische Mitgestaltung des Unternehmens zu erhöhen?

2 Responses to [Demokratische Unternehmen] Teil 2 – Die Motivation

  1. Als Personaler ist das genau mein Thema und ich freue mich, dass die Diskussion wieder aufkommt weil ich mir selbst naturgemäß für Personaler viel Gedanken darüber gemacht habe. Ich persönlich bin sehr gespannt auf das Projekt LiquidFeedback weil ich denke, dass es ein interessantes Managementinstrument ist.

    Wichtig bei der Diskussion ist die Perspektive die dazu gesagt werden sollte. Wer bin ich? Aktionär eines Unternehmens, Arbeiter oder Gründer der tatsächlich die Möglichkeit hat von Null anzufangen und sich “neue” Gedanken machen kann.

  2. Pingback: IT::fsinn » [Demokratische Unternehmen] Teil 3 – Das Ziel

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