[KW41] Themen der Woche

1. Ich verstehe ja die ganze Aufregung über den Bundestrojaner nicht. Es ist doch sooo einfach, sich dagegen zu schützen!

2. Ich finde die UI der ZDF Mediathek im Web ja eher…suboptimal. Jetzt gibt’s für alle Mac User eine nette App, die die Videos übersichtlich darstellt und die Verwaltung extrem vereinfacht.

3. Der geneigte Leser dieses Blogs wird bereits das eine oder andere Mal meine Verweise realer Technologien auf Science Fiction Erfindungen aus “Minority Report” vernommen haben. Für Euch habe ich mal wieder ein Leckerli gefunden: das US-Heimatschutzministerium möchte wissen, das die Bürger planen. (vgl. Pre-Crime). Absolut gruselig!!! Aber es wird noch besser: angeblich ist das schon lange Praxis.

4. Na endlich. Die Piraten scheinen aus der Schockstarre der Trojaner-Geschichte erwacht zu sein und hauen mal auf den Tisch.

5. Wer schon immer mal wissen wollte, wie Google seine Mitarbeiter bei der Stange hält, dem sei dieses Interview empfohlen. Ich find’s beeindruckend und vollkommen nachvollziehbar – verbunden mit der Frage, warum das nicht alle so machen?!

6. Nicht, dass mal mir meinen Stresspegel bei der Arbeit wirklich visualisieren müsste, aber dennoch netter Erfindung für all jene Vertreter der Gattung “Leistung bis zum Umfallen”.

7. Dieser Gedanke schoss mir diese Woche häufiger durch den Kopf:

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8. Für die Personal-Freunde unter Euch: Senkung der Frühfluktuation

9. Fefe kürt das Zitat des Tages:

Der Chaos Computer Club ist staatstragender und grundrechtsschützender als die Staatspartei CSU mit ihrem Staatstrojaner«, so SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

10. Avaaz hat mal wieder eine Petition, die es zu zeichnen lohnt: Stoppen Sie den Spion aus dem Computer

11. Wow…die Piraten werden nun offenbar Mainstream. :-) 1.000 neue Mitglieder pro Woche sind ne echte Ansage.

12. Spaß mit Siri :-) Ob’s das auch bald für den Mac gibt?

13. Bei Phoenix gab’s letzte Woche ein heitere Diskussionsrunde über den Staatstrojaner (danke für den Hinweis @ fefe). Wie bei der Besetzung zu erwarten war, hagelte es Facepalm-Vorlagen.

14. Am 15.10. wurde in Deutschland fleißig unter der “Occupy”-Fahne protestiert. In Köln zum Beispiel. Und im Rest Deutschlands war auch einiges los. Mehr davon!

15. Und jetzt: nom nom!

16. Die Totalüberwachung wächst weiter zusammen. Heute: Indect. Ich kann Euch gar nicht beschreiben, wie unfassbar wütend mich das macht!

17. Und hier mal wieder eine verblüffende Erfindung: künstliche Muskeln.

18. Eine Frage an die Gartenbesitzer unter Euch: braucht jemand eine Teichschale?

19. Ich bin Pirat. Du auch?

20. Die Tagesschau interessiert sich mal wieder für unsere Meinung. Diesmal über die Occupy-Bewegung. Mitboten!

21. Sehr empfehlenswerter Videomitschnitt eines Vortrags von Udo Vetter im Coworking Space Düsseldorf. Thema: Sicheres Publizieren im Internet und Pannen beim Staatstrojaner

22. CakePHP 2.0 ist erschienen. Für 1.3 gibt’s noch gute Tipps, um mit virtuellen Feldern zu arbeiten.

[KW39] Links der Woche

Eine sehr politisch geprägt Woche liegt hinter uns – mit erfreulichen und weniger erfreulichen Entwicklungen. Doch lest selbst…

1. “Ratsherr Heiner Lindgens ist jetzt ein Pirat.” Und die Begründung finde ich mehr als plausibel:

“Ich habe mich zu diesem Schritt entschlossen, weil die Piratenpartei die einzige politische Vereinigung in Deutschland ist, die offensiv gegen die “Politik hinter verschlossenen Türen” Stellung bezieht”.

2. Die Piraten klettern nach dem Wahlerfolg in Berlin nun auch Bundesweit kräftig in den Umfragen. Ob die Präsenz in den Medien den Durchbruch bewirkt hat?

3. Dass Facebook ein Datenmoloch ist, sollte jedem Nutzer eigentlich klar sein – ein Grund, warum ich kein Mitglied mehr bin. Neuester, zugegeben wenig überraschender Fail: “Wie Facebook den Logout simuliert.

4. Immer wieder eine Empfehlung wert: Neues aus der Anstalt (Politsatire).

5. Die Content-Mafia hat ihre Fangarme ja seit geraumer Zeit um die Gesetzbücher der EU vergraben, unter anderem fingert sie ja auch bei dem geheim entwickelten ACTA mit. Dieses Lobbyisten-Abkommen soll nun offenbar bald beschlossen werden. *grusel*

6. Hm, als Freund des Kaffees stimmt mich dieser ARD-Artikel doch etwas nachdenklich. Was tun?

7. Datenschutz in allen Ehren…aber das torpediert eindeutig den Kern des Internets.

8. Damit könnte Fefe leider Recht haben…der Zug mit der Netzneutralität verlässt gerade den Bahnhof.

9. Firefox 7 ist da und soll angeblich weniger Speicher verbrauchen. Wurde auch Zeit!

10. Der Herbsturlaub steht bald an für Unentschlossene bietet Reiseziel Deutschland einige interessante Tipps. Schaut mal rein.

11. Hier mal ein Link-Tipp für die Web-Entwickler unter uns: Performance Tools – Mit Monitoring und Analyse zu schnellen Webseiten

12. Google Books Downloader für Dosen und Mac OS.

13. Ich nutze seit einiger Zeit nun Mantis als Bugtracking Tool. Was mich dieser Tage verwunderte, war die fehlende Darstellung von Unterprojekten in der Roadmap, ein echtes Manko, da ich den Fortgang des Projektes nicht sauber tranken konnte. Da der offizielle Bugfix noch auf sich warten lässt, gibt’s einen kleinen Hack, um den Fehler im Caching-System auszubügeln.

14. To whom it may concern: Zend-Webinar: Mit PHP-Apps auf Mobile Devices (11.10.2011)

15. Zitat der Woche:

[…] Du musst erst losgehen. Und zwar nicht irgendwann. Sondern jetzt.

16. Ich hatte die Woche bereits drauf verlinkt: “Weißes Rauschen” gibt’s als Unplugged-Version gratis bei den Hosen zum Download.

17. Die Peoplesource-Beta ist raus und darf getestet werden. Doch das war erst Teil 1 von 2. Der 2. Streich folgt sogleich…

18. Ein Sudoku-Solver in 140 Bytes. Ich habe ihn nicht getestet, klingt aber nach Magic. :-)

19. Modem DialUp – visualisiert. :-)

20. Ein Orca macht einen Außenbordmotor nach. :-)

[KW33] Links der Woche

Ein paar Urlaubsgrüße sende ich Euch heute. Dementsprechend sommerlich sind auch die Links:

1. Mein Kommilitone Jens hat seine Seminararbeit “Agile Entwicklung von Web-Anwendungen mit Grails” veröffentlicht.

2. Ahhh…die Robotten kommen!!1!

3. Meine Seminararbeit “Realisierung von Web-Anwendungen mittels MVC-Frameworks am Beispiel CakePHP” ist nun bei GRIN erhältlich.

4. Mal was für Gründer: Top-10-Risikomanagement-Maßnahmen für StartUps

5. Und noch ein Bild von der Gamescom…ohne Worte, echt jetzt.

Diablo 3 - 3 Stunden Wartezeit

[KW24] Links der Woche

Don’t panic! Bei den Links dieser Woche ist für jeden etwas dabei.

1. Yet another Mac OS X Mail-Client: ich war mal wieder auf der Suche, da mir Apple Mail Tag um Tag im Detail auf den Sender geht und mir Thunderbird auf dem Mac so überhaupt nicht gefallen mag. Doch auch MailMate haut mich nicht vom Hocker…und so geht die Suche weiter.

2. Also, damals…da gab’s ja coole Sachen. Zum Beispiel Familienwappen. Und um das mal auszuprobieren, habe ich ein Gesuche auf My-Hammer eröffnet. Wer sich berufen fühlt, sich daran zu versuchen, möge sich bei mir melden. “Warum?” fragt Ihr Euch? Because I can…

3. Nettes, kleines Feature von Windows Vista & 7: der Godmode.

4. Hurra…ab 01.07. haben wir kein verfassungsmäßiges Wahlrecht mehr. Ich bin gespannt, wie das jetzt weitergehen soll.

5. Mein kleines Experiment “Nudge me” ist nun endlich mal verlinkt worden (ich mache dafür explizit keinerlei Werbung). Der Artikel befasst sich zwar mit dem Gegenteil, Traffic hat es mir dennoch beschert. :-)

6. Ein Tipp für Harry Potter Fans: der Trailer des 2. Teils der Heiligtümer des Todes.

[KW20] Links der Woche

Wenig zu lachen gab’s für die Piratenpartei in der letzten Woche. Ob das mit dem großzügigen Versagen der Bundesregierung zu tun hat?

1. Die Politik versagt ein ums andere Mal und dann kommt dabei sowas raus: Bundeskanzlerin Merkel fordert längere Arbeitszeiten in finanziell angeschlagenen Euroländern

2. Mal was erfreuliches: Fabrice Bellard implementiert ein Linux auf JavaScript-Basis. Chapeau!

3. Stellt sich raus: die Transformers sind realer, als wir dachten. ;-)

4. In einer bis heute zweifelhaften Aktion beschlagnahmt die Polizei einen Haufen zentraler Server der Piratenpartei. Die zeitliche Nähe zur Wahl in Bremen lässt die zügig die ersten Verschwörungstheorien aus dem Boden schießen.

5. Gut so: die Piratenpartei wehrt sich.

6. Und noch ein Tipp für die Eltern oder Paten unter Euch.

Anstupsen 2.0

Nettes Feature, was Facebook da hat. Anstupsen. Warum auch nicht? Man kann sich in der Tat einen kleinen Spaß daraus machen, sich im Freundekreis immer und immer wieder gegenseitig anzustupsen. Oder wie StudiVZ es nennt: gruscheln.

Wie dem auch sei, alle Social Networks haben einen entscheidenden Nachteil: sie speichern all Eure Daten, werten sie und schlagen Profit daraus. Jüngst wurde Facebook für dieses verwerfliche Verhalten mit dem BigBrother Award ausgezeichnet – der finale Tritt in den Hintern, der mich dazu veranlasste, meinen Account dort endgültig über den Jordan zu schicken.

Dennoch vermisste ich eine Funktion schnell: das Anstupsen. Denn mit einem Freund machten wir uns einen schelmischen Spaß daraus, uns gegenseitig anzustupsen – zugegeben, etwas kindisch, aber wir hatten Spaß dabei. :-)

Lange Rede, kurzer Sinn. Aus dieser kleinen Geschichte entstand “nudge me“, ein Service, mit dem Ihr ohne Datenschutzbedenken (Eure Eingaben werden nach dem Versenden des Anstupsers gelöscht) Eure Freunde anstupsen könnt. Nicht mehr und nicht weniger.

Wer’s mal sehen möchte: www.nudge-me.de

Ich wünsche fröhliches Schupsen. :-)

Wir bauen eine Sprecherkabine

Aus aktuellem Anlass möchte ich hier meinen Bauplan für eine kleine Sprecherkabine noch einmal online stellen, nachdem mein Podcast nun schon geraume Zeit offline ist.

Ich wünsche viel Spaß beim Basteln!

Bauplan Sprecherkabine (216)

Hier auch noch einige Bilder, die Podcastepisode folgt noch:

[Zensus 2011] Download: Zensus 2011 – Volkszählung im Informationszeitalter

Für alle Datei-Freunde habe ich alle 8 Teile der “Zensus 2011″-Reihe plus einer Zusammenfassung und Inhaltsverzeichnis in ein PDF gepackt.

Zensus 2011 - Volkszählung im Informationszeitalter (572)

Happy downloading & distributing!

[Zensus 2011] Teil 8 – Fazit

Aus staatlicher Sicht ist die Durchführung des Zensus 2011 durchaus zu begrüßen, hängen doch elementare Planungen und Verteilungsmodelle an verschiedenen Kennzahlen, die vermutlich auch den finanziellen Aufwand durch den Steuerzahler rechtfertigen können.

Aus Sicht des Einzelnen ist der Zensus jedoch in dieser Form nicht akzeptabel und macht den Anschein eines Datensammelwunschkonzerts für jeden denkbaren Bedarf.
Zu viele Fragen, insbesondere auf Europaebene, sind nicht klar kommuniziert und auch die Löschfristen für erhobene Daten sind entweder unklar oder sehr weit gefasst, so dass über Monate oder sogar Jahre Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich sind.
Fraglich sind weiterhin die Sicherungsmechanismen, mit denen die erhobenen Daten bei der Übermittlung zwischen „befugten Personen“, dessen Definition auch nicht vollständig klar wird, geschützt werden und was im Falle eines Datendiebstahls geschieht.

Wie in jüngster Vergangenheit ist auch bei dieser Datenerhebung trotz gesetzlicher Sperren die nachträgliche Erweiterung des Nutzungsrahmens zu befürchten, dessen Folgen aus heutiger Sicht nur schwer abschätzbar sind. Die möglichen Szenarien reichen von der Unterstützung der Strafverfolgungsbehörden über den „Verkauf“ der Daten an Privatunternehmen bis hin zu – zugegebenermaßen derzeit wenig wahrscheinlichen – Schreckensszenarien von Deportationen von so genannten „Gefährdern“ oder „Arbeitsunwilligen“.

Da auch dieser Zensus das Konstrukt des Überwachungsstaats, in diesem Fall sogar des Überwachungskontinents, weiter untermauert, jedoch aus staatlicher Sicht durchaus in gewissen Grenzen nachvollziehbar ist, ist es im Sinne jedes Bürgers, den Umfang der erhobenen Daten deutlich zu senken und auf ein Mindestmaß zu beschränken. Weiterhin sollte die Anonymität von vornherein gewährleistet sein, so dass Hilfsmerkmale erst gar nicht zur Anwendung kommen.

Aus Sicht des Autor ist eine breite öffentliche Diskussion und Medienpräsenz unabdingbar, um die Risiken und Chancen in einem ausgewogenen Verhältnis zu den erhobenen Daten zu stellen. Anzustreben sind minimalste, zweckgebundene und dezentral zu haltende Datensätze, deren Zusammenführung lediglich vollständig anonymisiert durchzuführen ist. Die Löschfristen sind im Sinne des Datenschutzes zu verkürzen und streng einzuhalten. In Bezug auf den Schutz von Datenträgern oder sonstigen Übermittlungsmedien sind höchste Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, um Datendiebstahl und unberechtigten Zugriff zu unterbinden.

[Zensus 2011] Teil 7 – Kritik

Betrachtet man die von Seiten der Regierung publizierten Informationen zum Zensus 2011, klingen die geplanten Maßnahmen im ersten Augenblick nachvollziehbar, sinnvoll und allgemein vorteilhaft (vgl. Teil 4 – Warum braucht Deutschland den Zensus 2011?). Liest man jedoch bei verschiedenen Formulierungen zwischen den Zeilen, stellen sich bisweilen elementare Fragen, gerade in Bezug auf Datensicherheit und Anonymität.

Auffällig ist zunächst die stark emotional geladene Formulierung einiger Zensusziele. Reizworte wie der Nutzen für “Schulen”, “Krankenhäuser” und “ältere Menschen” zielen auf die “schwächeren Glieder” der Gesellschaft und lassen eine eventuelle Kritik am Zensus als moralisch verwerflich erscheinen. So wird die Kritik zur symbolischen Behinderung des Sozialstaates.
In offiziellen Verlautbarungen ist zu lesen: “Der Zensus nutzt und allen.” Im Umkehrschluss heißt das jedoch: Kritik im Zensus schadet uns allen. Es macht gerade zu den Anschein, als seien die verantwortlichen Staatsorgane erpicht darauf, den Zensus als zweifelsfrei moralisch und datenschutzrechlich korrekt darzustellen.

Allein diese emotionale Behaftung der Thematik, die schon bei der Internetzensur-Debatte zur Sperrung von Internetseiten zu beobachten war, macht es Kritikern schwer, sich öffentlich gegen das Thema auszusprechen, da sie Gefahr laufen, als unethisch und unsozial angestempelt zu werden.

Doch sollte eine Unterscheidung zwischen reinen Fakten, Emotionen und schlechten Erinnerungen an historische Ereignisse stattfinden, weshalb sich die folgende Betrachtung mit allen drei Faktoren auseinandersetzt.

Auf der Sachebene stellten sich dem Autor beim Verfassen der vorangehenden Kapitel immer wieder Fragen, die mangels verfügbarer Informationen nicht oder nur unzureichend beantwortbar waren und die hier kurz erläutert werden sollen:

Unklarheit 1: Gesetzliche Sicherheit des Datenschutzes
Offizielle Stellen verweisen in ihren Publikationen zum Zensus 2011 vermehrt auf das Statistikgeheimnis und den geltenden Datenschutz. So stellte sich aber die Frage nach dem Umfang der jeweiligen Gesetze und der entsprechenden rechtlichen Abdeckung. So ist zu klären, ob sich Statistikgeheimnis und Datenschutz nicht möglicherweise rechtlich behindern, aushöhlen, aufheben oder schlicht einige Bereiche offen lassen.

Anlass zu dieser Vermutung gaben schwammige Formulierung wie “Hilfsmerkmale müssen so früh wie möglich gelöscht werden.”.

Weiterhin bietet insbesondere §16 BStatG Möglichkeiten zur alternativen Verwendung erhobener Daten und beschränkt allenfalls das Anlegen von Verwaltungsakten auf Basis dieser Daten. Speziell §16 IV BStatG weist bei näherer Betrachtung diverse Lücken auf:

Für die Verwendung gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften und für Zwecke der Planung, jedoch nicht für die Regelung von Einzelfällen, dürfen den obersten Bundes- oder Landesbehörden vom Statistischen Bundesamt und den statistischen Ämtern der Länder Tabellen mit statistischen Ergebnissen übermittelt werden, auch soweit Tabellenfelder nur einen einzigen Fall ausweisen. Die Übermittlung nach Satz 1 ist nur zulässig, soweit in den eine Bundesstatistik anordnenden Rechtsvorschriften die Übermittlung von Einzelangaben an oberste Bundes- oder Landesbehörden zugelassen ist.

Unklarheit 2: Datenschutz auf Europaebene
Im Rahmen der Recherchen zu diesen Ausführungen waren kaum Informationen zur Handhabung der erhobenen Daten auf Europaebene zu finden. Weder wurde eindeutig klar, wer diese Daten in letzter Instanz erhält, wozu sie genutzt werden, wie sie übertragen und geschützt werden, noch wann sie endgültig gelöscht werden.

Da das deutsche Datenschutzrecht verglichen mit anderen europäischen Staaten relativ restriktiv ist, besteht Anlass zu der Sorge, dass auf Europaebene nicht streng genug mit diesen Daten umgegangen wird. So wurde die Weitergabe der nationalen Daten an die EU in der verhaltenen öffentlichen Diskussion als “inakzeptabel” bezeichnet, da die Sicherheit auf Europaebene nicht gewährleistet sei.

Unklarheit 3: Unklare Befugnisse
Eine weitere Frage, die sich ergab, bezieht sich auf die konkreten Befugnisse, auf die Zensusdaten zugreifen zu dürfen. Konkrete Antworten auf Fragen wie “Wer darf die Daten sehen und verarbeiten?” werden nicht gegeben.

Zur Veranschaulichung sei hier ein Textabschnitt über die Geheimhaltung von Einzelangaben erwähnt:

“So gilt auch für die im Rahmen des Zensusvorbereitungsgesetzes 2011 an die Statistik gelieferten Daten die Geheimhaltung für alle Einzelangaben über persönliche und sachliche Verhältnisse (§ 11) und auch bei den Datenlieferungen ist sichergestellt, dass Daten nicht unbefugt gelesen, kopiert, verändert oder entfernt werden können (§ 13).”

Offensichtlich fehlende Information: Was genau heißt “unbefugt”? Oder anders gesprochen: Wer ist befugt was mit den Daten der Bundesbürger zu tun?

Unklarheit 4: Salami-Taktik
“Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.”, verkündete Walter Ulbrecht 1961. Der Rest ist Geschichte.

Geradezu symbolisch beschreibt dieses Zitat jene Beruhigungsversuche von Politikern gegenüber den Bürgern, deren Schreckensszenarien beliebiger Couleur letzten Ende aber doch Realität wurden.

Und so findet sich auch zum Zensus 2011 eine passende Textstelle, geäußert von der Leiterin der Abteilung “Bevölkerung, Bildung, Staat” im Statistischen Bundesamt, Dr. Sabine Bechtold:

“Es muss niemand befürchten, dass ihm durch wahrheitsgemäßes Ausfüllen eines Fragebogens ein Nachteil entsteht.”

Aufgrund der Tatsachen, dass
a) sich Geschichte immer wiederholt,
b) Menschen aus früheren Leiden selten etwas lernen,
c) es zweifelhafte Macht-Begehrlichkeiten gab, gibt und geben wird,

ist diese Aussage mit Vorsicht zu genießen. Nicht zuletzt die Vorratsdatenspeicherung weckte aufgrund des vorliegenden Datenbestandes Begehrlichkeiten, mit denen “vorher niemand gerechnet hatte”. Von Seiten der Verantwortlichen werden also unangenehme Informationen zurückgehalten und bei unabdingbarem Bedarf preisgegeben.

Vergleicht man die durch den Zensus 2011 geforderten Daten mit denen der Volkszählungen im Dritten Reich, so sind heutige Bürger um ein Vielfaches transparenter und verfolgbarer als zu damaliger Zeit, was ausgesprochen kritisch zu bewerten ist. Von diesem Standpunkt aus ist derart umfangreichen Datenansammlungen stets Misstrauen entgegen zu bringen.

Weitere Kritikpunkte

Problem 1: Datenmissbrauch
Die jüngste Vergangenheit hat in mehreren Ländern (allen voran Großbritannien) gezeigt, dass einmal erhobene Daten nicht sicher sind. So gingen dort mehrfach DVD’s mit personenbezogenen, sensiblen Daten verloren. In Deutschland wurden Laptops von Regierungsmitgliedern samt Daten gestohlen.
Generell ist davon auszugehen, dass das
Risiko des Datenmissbrauchs mit steigender Verbreitung der Daten größer wird, da die Anzahl der involvierten (und potenziell kompromittierbaren) Personen wächst.

Weiterhin zeigte sich bei der kürzlich diskutierten Sperrung von Internetseiten, dass binnen kürzester Zeit weitere Begehrlichkeiten von verschiedenen Seiten für den Zugriff auf diese Daten entstanden (Sperrung von rechtsradikalen Inhalten; Sperrung urheberrechtlich geschütztem Material inklusive Strafverfolgung anhand von IP-Adressen, etc.). So ist auch bei einem Zensus davon auszugehen, dass Dritte Ansprüche gegenüber diesen Daten erheben werden.
So bieten die im Erhebungskatalog genannten Daten eine
optimale Datenbasis zur Marktsegmentierung und eignet sich somit für die Verwendung im Marketing und angrenzenden Bereichen.

Weiteres Beispiel: Im hypothetischen Falle eines Anschlags in Deutschland nach dem Zensus 2011, ist binnen kürzester Zeit mit Begehrlichkeiten zu rechnen, die die Nutzung dieser Daten zur Strafverfolgung auf personalisierter Ebene fordern und damit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung vollständig aushebeln.

Problem 2: Opportunistische Datennutzung
Angrenzend zum Datenmissbrauch besteht die Gefahr der Verfälschung von Zensusdaten. Was im ersten Moment nach einem Schnitt ins eigene Fleisch der Erhebenden anhört, kann aus Gründen der Staatsräson durchaus sinnvoll sein.
So können bei mangelnder Verifizierung der erhobenen Daten z.B. gewisse Teile der Bevölkerung nicht vollständig erfasst oder andere Bereiche künstlich vergrößert werden. Eine solche Manipulation macht zum Beispiel Sinn, wenn
Parlamentssitze oder Fördermitteln anhand bestimmter Bevölkerungskennzahlen vergeben werden.

Problem 3: Einordnung in den Überwachungskontext
Bereits im Zuge der Volkszählung 1983 und dem damit verbundenen Urteil des BVG (1 BvR 209/83) bestand Grund zur Befürchtung des „Gläsernen Bürgers“. Hintergrund war damals die Ausführlichkeit der Fragen, die Rückschlüsse auf einzelne Personen zuließen und somit gegen den Datenschutz verstieß. Interessant ist die Analogie zu heutigen Diskussionen, denn schon damals fürchtete man die Volkszählung als Schritt Richtung Überwachungsstaat.
Damals wie heute forderten Bürgerrechtler den gläsernen Staat anstatt des gläsernen Bürgers, zu Gunsten von
mehr Transparenz.

Vier Jahre später richteten Kritiker ihr Augenmerk verstärkt auf die Gefahren einer schleichenden Einschränkung von Bürgerrechten. Auch hier wird die Ähnlichkeit zu heute deutlich, schaut man sich beispielsweise die Vorratsdatenspeicherung oder den biometrischen Reisepass an.

Allgemein gesprochen ist durch den Zensus 2011 mit einer Steigerung des „Überwachungsfaktors“ zu rechnen, der jeden Bundesbürger nachweisbarer dokumentiert.

Problem 4: Leistungsanspruch
Das Statistische Bundesamt stellt in eigenen Veröffentlichungen einige Kennzahlen vor, die anhand der zu ermittelnden Zensusdaten errechnet werden sollen. Beispielhaft sei hier eine Kennzahl angeführt, dessen Brisanz vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und wachsenden Begehrlichkeiten nach Daten klar wird:

Kennzahl: Wertschöpfung je Erwerbstätiger

Im Klartext: Wie effektiv arbeitet jeder einzelne?

Zwar ist davon auszugehen, dass derlei Daten statistisch gemittelt werden, dennoch ist nach der Zusammenführung aller Daten ein Rückschluss auf jeden Einzelnen (Stichwort „Hilfsmerkmale“) denkbar oder sogar definitiv möglich. Durch Segmentierung von Bevölkerungsteilen lassen sich in der Folge effektive und ineffektive Gruppen herausfiltern und benennen – für gewinnorientierte Organisationen hochgradig interessante Daten.

Rückblick ins Dritte Reich verbunden mit der Frage:
Was wäre mit ineffektiven Bevölkerungsgruppen damals passiert?

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