Deutschlands Renten…
…sind ja eh schon fraglich, wenn ich dann mal irgendwann in Rente gehen darf (falls überhaupt).
Die bunten Hochglanzprospekte der Versicherungen bieten immer neue Angebote, wie ich bestmöglich meine Rente sichere und – was natürlich verschwiegen wird – möglichst viel meines sauer verdienten Geldes in die Kassen der Kapitalmonster transferiere.
Dass derartige Praktiken in der Vergangenheit mitunter seltsam anmutende Blüten getrieben hat, dürfte bekannt sein. Doch was sich die Handelskette PLUS da wieder hat einfallen lassen, macht mich stutzig.
Zusammen mit anderen Branchenriesen wie Germanwings, Sixt, T-Home, AOL, etc. (die Liste lässt sich noch weiterführen) veranstaltet PLUS da eine Art Payback 2.0, um nicht zu sagen Rente 2.0. Oder um direkt mal ein Wort dafür aus der Wiege zu heben: PaySion (Payback, Pension).
Das Prinzip ist bekannt:
Kunde kauft ein, bekommt Punkte. Statt einer Bratpfanne bekommt er später (so er denn dann noch lebt) eine Zusatzrente ausgezahlt.
Doch, damit sich das Ganze für die Unternehmen auch lohnt, zahlt der willige Kunde mindestens 19,90 € pro Monat in eine klassische Rentenversichung, die als Basis dient.
Durch die mitgelieferte Kreditkarte und Einkäufe bei den Partnern erhält der Kunde Zusatzpunkte, die später eben aufsummiert werden.
Sieht auf den ersten Blick witzig aus, nicht zuletzt wegen der Klicki-Bunti-Bilder auf der Webseite der Deutschlandrente.
Schaut man genau hin, ist es nur wieder ein weiteres Bonusprogramm, das die aktuelle Angst um unsere Renten gekonnt ausschlachtet, gleichzeitig damit noch Geld verdient und zusätzlich ein lebenlang das Kaufverhalten der Kunden auf einem Silbertablett serviert bekommt. Clever! Was das für die Marktforschung bedeutet, kann man sich leicht an einer Hand abzählen. Personalisierte Käuferprofile, die altersabhängig ausgewertet werden können und den Absatz der Anbieter noch weiter steigert.
Wie bei allen Bonusprogrammen stellt sich auch hier wieder die Frage nach dem Preis, den ein jeder Kunde dafür zahlt, dass er später ein paar Euro mehr in der Tasche hat. Ich versuche es mal aufzudröseln:
- er (das sei geschlechtsneutral verstanden) gibt sein Kaufverhalten über eine lange Zeit preis
- er bindet sich an eine Rentenversicherung, dessen angepriesene Renditestärke erstmal im Raum steht, aber erst nach Ablauf objektiv betrachtet werden kann
- über die Kreditkarte begibt er sich in die Gefahr, den Überblick über die Ausgaben zu verlieren
- desweiteren zeigt die jüngste Vergangenheit, dass Kreditkartendaten gerne mal missbraucht werden
Letztlich ist zu vermuten, dass jeder einzelne besser damit beraten ist, in andere und seriösere Altervorsorgen zu investieren, da schon bei Payback (und wie sie alle heißen) jeder Kunde draufzahlt und nur einen Bruchteil davon von Payback zurückbekommt. Das sich diese Programme nicht lohnen, ist logisch, nur leider noch nicht überall angekommen. Fleißig sammelt die Republik Punkte für Dinge, die eigentlich kein Mensch braucht und liefert noch wertvolle Daten über das Gekaufte.
Und auch die Deutschlandrente wird ein Erfolg! Es ist innovativ, keine Frage. Was dahinter steckt, fragen sich die wenigsten. Oder es ist ihnen egal. Von diesen “Egalos” habe ich leider zu viele in meinem Bekanntenkreis. Und solange sich Menschen mit Treuepunkten kaufen lassen, werden sie ohne mit der Wimper zu zucken privateste Daten veräußern, ohne es auch nur mitzubekommen.
Willkommen in der schönen neuen Welt von PaySion!