Warum ich 9/11 leid bin

Wie gerne würde ich ihn endlich vergessen, diesen wohl freiheitsfeindlichsten Tag des Jahres. Die Rede ist natürlich vom 11. September. Mann, gingen mir die Berichte dieser Tage auf den Zeiger. Die Frage ist natürlich: warum? Warum wird so viel darüber berichtet und warum geht es mir so auf den Sender?

Das, was da vor 10 Jahren passiert ist, ist schrecklich. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Dass es ein islamistischer Terroranschlag war, davon bin ich nachwievor nicht überzeugt, dafür gibt es zu viele Indizien, dass ein Anschlag der damaligen Regierung in die Hände gespielt hätte. Und ganz ehrlich: viele Menschen, besonders die mit Macht, sind oft rücksichtslos und verdienen es, dass ich ihnen solche Aktionen zutraue.

Doch diese Spekulationen seien nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Vielmehr soll er einen Gedanken festhalten, den ich dieser Tage hatte. Im Radio lief mal wieder ein Bericht über Ground Zero und mir fiel auf, dass die Art, wie mit diesem Drama umgegangen wird, in keiner Weise heilsam für die Gesellschaft als solche ist. Durch wiederholte Berichte, immer wieder die selben Bilder des Flugzeugeinschlags ins WTC wird die Erinnerung an diesen Tag wach gehalten. Ich selbst habe den Eindruck, all das läge erst ein Jahr zurück, so lebhaft habe ich die Bilder noch vor Augen. Dank der Medienberichterstattung. Was hier stattfindet ist ein aktives Wachhalten von Erinnerungen, das wiederholte Aufreißen alter Wunden und das Schaffen einer dauernden Angst vor dem großen Bösen. So entsteht meiner Meinung nach eine gefühlte Bedrohungslage, die mit der Realität absolut nichts zu tun hat.

Vergleicht man die Gesellschaft als Ganzes mit einem einzelnen Menschen, so sind die Prozesse der Bewältigung von Trauer ähnlich. Ein jeder Mensch muss in seinem Leben mit Rückschlägen unterschiedlicher Stärke klarkommen. Den meisten gelingt dies, manche zerbrechen daran. Bei den Ereignissen des 11.09.2001 habe ich den Eindruck, dass die Weltbevölkerung noch immer, gepusht durch Medien und Politik, massiv daran zu knabbern haben und im Begriff ist, daran zu zerbrechen. Zumindest als freiheitlich demokratisches System. Nach 10 Jahren scheint nichts vergessen, keine Normalität mehr möglich. Würde so ein Mensch agieren, beispielsweise weil er einen schweren Verlust erlitten hat, und nach 10 Jahren noch immer nicht jene Ereignisse verarbeitet haben…er würde sich zu Grunde richten.

Was wir hier erleben ist ein Rachefeldzug einiger weniger, die mittels ihrer verfügbaren Instrumente versuchen, die Bevölkerung hinter sich zu scharen, um ihre möglicherweise gut gemeinten Absichten durchzusetzen. Auch wenn ich mit Gott und der Kirche nicht viel zu schaffen habe, so bin ich zumindest christlich erzogen worden – und so stelle ich mir die Frage: Ist dieser Feldzug christlich? Er ist aus Sicht der Opfer und Hinterbliebenen nur allzu gut nachvollziehbar, doch was gibt uns das Recht, andere Menschen zu töten – aus Vergeltung? Ich verurteile das zu tiefst! Mit auch ein Grund, warum ich die gezielte Tötung Osama Bin Ladens für vollkommen falsch halte – anderes Thema. Immerhin nehmen wir für uns in Anspruch, zivilisierte Menschen zu sein. Und als solche haben wir ein Rechtssystem, das für derartige Probleme zuständig ist – zumindest theoretisch.

Jedenfalls bin ich müde, immer und immer wieder die gleichen Berichte in den Medien wahrzunehmen. Immer wieder ein Grund für Innenminister, weitere grundrechtsfeindliche Gesetze zu fordern und damit unser heutiges 1984 in ein 2011 zu verwandeln.

Lobend hervorheben möchte ich die Menschen Norwegen, die nach dem Amoklauf vor einigen Monaten nicht mit Angst und der Forderung nach mehr Überwachung reagiert, sondern genau gegenteilig. Sie wollten sich nicht einschüchtern lassen und gingen offen mit dem Thema um. Beneidenswert.

Diese Kultur und dieses Maß an Gelassenheit wünsche ich mir auch für uns in diesem Lande und vor allem in den manchmal für meinen Geschmack zu egozentrischen USA.

Angst vor Terror – ein perfektes Machtinstrument? Ein Erklärungsversuch.

Dieser Tage liest und hört man in den Oldschool-Medien immer wieder Meldungen wie diese:

Warnung vor Gefahr islamistischer Terroranschläge

Was den meisten von uns wohl nur noch ein müdes Lächeln abringt, könnte aber mitunter ein System verfolgen. Auf diese spontane Idee kam ich heute beim Lernen für meine Projektmanagement-Klausur. Im Stoff enthalten ist die Maslowsche Bedürfnispyramide, ein Modell von Bedürfnisse, die Menschen haben. Die Kernaussage dieses Modells ist, dass es ganz grundlegende Bedürfnisse gibt, die erfüllt sein wollen, bevor bei uns Menschen weitere “höhere” Bedürfnisse entstehen (so ganz stimme ich dieser simplifizierten Darstellung nicht zu, aber das Grundprinzip ist nicht falsch, denke ich).

Das wohl grundlegendste Bedürfnis von uns Menschen ist der Wunsch nach Nahrung, Wärme und einem Dach über dem Kopf. In Maslows Modell folgt dann auch schon gleich das Sicherheitsbedürfnis, also ein ebenfalls recht grundlegendes Bedürfnis. Hier der Vollständigkeit halber die komplette Liste:

Bedürfnispyramide nach Maslow

Bedürfnispyramide nach Maslow

Und genau an diesem Punkt ziehen wir nun eine Parallele zu den Terrorwarnungen, die uns unsere Innenminister allabendlich zu präsentieren versuchen.
Was genau geschieht da? Im Grunde fahren besagte Herrschaften kontinuierliche Angriffe auf befriedigte Bedürfnisse, versuchen eine Unsicherheit zu schaffen. Folgt man dem Modell, sorgen diese Angriffe für eine tiefer Verunsicherung der Bevölkerung, da derart grundlegende Bedürfnisse erschüttert werden. Die Folge sind in der Regel Rufe nach mehr Sicherheit, Terrorbekämpfung, Überwachung und staatlichem Schutz. Genau das also, was unsere Regierung seit Jahren versucht, uns aufzuzwingen: den totalen Überwachungsstaat. Allerdings aufgrund von Angstszenarien die meiner Meinung nach nur Luftgebilde und PR-Nebelkerzen sind.

Soweit, so beunruhigend. Was mich aber mehr beunruhigt ist die Ebene unterhalb der Sicherheit. Die physiologischen Grundbedürfnisse. Was wäre, wenn sich niemand mehr für die Terror-Panikmach-Aussagen der Regierung interessiert? Muss man da zu härteren Mitteln greifen? Die unterste Bedürfnisschicht zerlegen? Und was würde das für uns alle bedeuten?

Wie sorgt man also als Staat für die Zerstörung jener bisher befriedigter Bedürfnisse nach Nahrung, Wärme, einem Dach über dem Kopf, dem Leben an sich?

Da fällt mir genau eine Sache ein (vielleicht habt Ihr noch mehr Ideen): Krieg.

Er zerstört Häuser, sorgt für Notstände. Eine perfekte Grundlage dafür, “das Volk” gefügig zu machen.

Steht uns allen also im nächsten Jahrzehnt ein Krieg ins Haus? Also abgesehen von Afghanistan?
Für wirklich realistisch halte ich das momentan nicht, doch bei all dem Wahnsinn, der uns jeden Tag über Mainstream-Medien und das Internet erreichen, würde mich selbst das nicht mehr wirklich wundern…

Just some anxious, paranoid thoughts…

Terror-Kids

Dass die ganzen Schäubletten in der Bundesregierung uns Erwachsene für potentielle Osamas halten, ist ja spätestens seit der Vorratsdatenspeicherung klar.

Dass nun aber auch Kinder ein Sicherheitsrisiko für die Staatssicherheit (Stichwort STASI 2.0) sind, ist neu. Der Verfassungsschutz (welche Verfassung beschützt der eigentlich??) soll nach Willen einiger CDU/CSU’ler (hier in Person von Hans-Peter Uhl) nun auch personenbezogene Daten von bis zu 12-jähigen Kindern speichern.

Also, als ich 12 war, hab ich mich mit Legobausteinen und meinen Hausaufgaben befasst. So, wie einzelne Personen die Situation in diesem Lande darstellen, sind unsere Eltern und Schulen ja geradezu im Begriff, eine Terroristenarmee heranzuziehen.

Hm, eigentlich keine schlechte Idee. Es ist Zeit, dass eine breite Masse wieder massiv die Straßen bevölkert. Schließlich sind wir ja das Volk. Wer kommt mit?

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