[KW48] Themen der Woche

Medien

  • Die ARD plant eine Tages-Web-Schau. Die ist bedeutend kürzer als die Tagesschau (2-3 Minuten) und fokussiert sich auf Web-Themen. Klingt erst mal gut, schauen wir mal, was draus wird. Für den Anfang ist ein 6-monatiger Pilot geplant.

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Warum ich 9/11 leid bin

Wie gerne würde ich ihn endlich vergessen, diesen wohl freiheitsfeindlichsten Tag des Jahres. Die Rede ist natürlich vom 11. September. Mann, gingen mir die Berichte dieser Tage auf den Zeiger. Die Frage ist natürlich: warum? Warum wird so viel darüber berichtet und warum geht es mir so auf den Sender?

Das, was da vor 10 Jahren passiert ist, ist schrecklich. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Dass es ein islamistischer Terroranschlag war, davon bin ich nachwievor nicht überzeugt, dafür gibt es zu viele Indizien, dass ein Anschlag der damaligen Regierung in die Hände gespielt hätte. Und ganz ehrlich: viele Menschen, besonders die mit Macht, sind oft rücksichtslos und verdienen es, dass ich ihnen solche Aktionen zutraue.

Doch diese Spekulationen seien nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Vielmehr soll er einen Gedanken festhalten, den ich dieser Tage hatte. Im Radio lief mal wieder ein Bericht über Ground Zero und mir fiel auf, dass die Art, wie mit diesem Drama umgegangen wird, in keiner Weise heilsam für die Gesellschaft als solche ist. Durch wiederholte Berichte, immer wieder die selben Bilder des Flugzeugeinschlags ins WTC wird die Erinnerung an diesen Tag wach gehalten. Ich selbst habe den Eindruck, all das läge erst ein Jahr zurück, so lebhaft habe ich die Bilder noch vor Augen. Dank der Medienberichterstattung. Was hier stattfindet ist ein aktives Wachhalten von Erinnerungen, das wiederholte Aufreißen alter Wunden und das Schaffen einer dauernden Angst vor dem großen Bösen. So entsteht meiner Meinung nach eine gefühlte Bedrohungslage, die mit der Realität absolut nichts zu tun hat.

Vergleicht man die Gesellschaft als Ganzes mit einem einzelnen Menschen, so sind die Prozesse der Bewältigung von Trauer ähnlich. Ein jeder Mensch muss in seinem Leben mit Rückschlägen unterschiedlicher Stärke klarkommen. Den meisten gelingt dies, manche zerbrechen daran. Bei den Ereignissen des 11.09.2001 habe ich den Eindruck, dass die Weltbevölkerung noch immer, gepusht durch Medien und Politik, massiv daran zu knabbern haben und im Begriff ist, daran zu zerbrechen. Zumindest als freiheitlich demokratisches System. Nach 10 Jahren scheint nichts vergessen, keine Normalität mehr möglich. Würde so ein Mensch agieren, beispielsweise weil er einen schweren Verlust erlitten hat, und nach 10 Jahren noch immer nicht jene Ereignisse verarbeitet haben…er würde sich zu Grunde richten.

Was wir hier erleben ist ein Rachefeldzug einiger weniger, die mittels ihrer verfügbaren Instrumente versuchen, die Bevölkerung hinter sich zu scharen, um ihre möglicherweise gut gemeinten Absichten durchzusetzen. Auch wenn ich mit Gott und der Kirche nicht viel zu schaffen habe, so bin ich zumindest christlich erzogen worden – und so stelle ich mir die Frage: Ist dieser Feldzug christlich? Er ist aus Sicht der Opfer und Hinterbliebenen nur allzu gut nachvollziehbar, doch was gibt uns das Recht, andere Menschen zu töten – aus Vergeltung? Ich verurteile das zu tiefst! Mit auch ein Grund, warum ich die gezielte Tötung Osama Bin Ladens für vollkommen falsch halte – anderes Thema. Immerhin nehmen wir für uns in Anspruch, zivilisierte Menschen zu sein. Und als solche haben wir ein Rechtssystem, das für derartige Probleme zuständig ist – zumindest theoretisch.

Jedenfalls bin ich müde, immer und immer wieder die gleichen Berichte in den Medien wahrzunehmen. Immer wieder ein Grund für Innenminister, weitere grundrechtsfeindliche Gesetze zu fordern und damit unser heutiges 1984 in ein 2011 zu verwandeln.

Lobend hervorheben möchte ich die Menschen Norwegen, die nach dem Amoklauf vor einigen Monaten nicht mit Angst und der Forderung nach mehr Überwachung reagiert, sondern genau gegenteilig. Sie wollten sich nicht einschüchtern lassen und gingen offen mit dem Thema um. Beneidenswert.

Diese Kultur und dieses Maß an Gelassenheit wünsche ich mir auch für uns in diesem Lande und vor allem in den manchmal für meinen Geschmack zu egozentrischen USA.

Kontraste

Wir Menschen neigen bekanntlich zur Simplifizierung von Sachverhalten, die sich gelegentlich in realitätsfremden Modellen und Schwarz-und-Weiß-Denken niederschlagen.

Der menschlichen Natur folgend verwundern auch die widersprüchlichen Ereignisse der letzten Tage nicht weiter, lassen sie sich doch leicht nach schwarz und weiß, gut und böse, rechts oder links einsortieren.

Während in der BRD die Bundeskanzlerin mangelnden Urheberrechtsschutz im Netz kritisiert und damit von den Lobbyisten der in diesem Fall betroffenen Buchindustrie, jedoch mit Sicherheit auch der Musikindustrie freudestrahlend und mit offenen Armen empfangen werden dürfte, untersagt das rumänische Verfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung…ein Zustand, den wir uns in Deutschland nur wünschen können.

Und Merkel steht nicht allein auf weiter Flur: auf EU-Ebene kloppt man sich um das Telecom-Paket und

[...] Bürgerrechtler leiten aus dieser allgemeinen Formulierung die Vermutung ab, dass Nutzern künftig auch der Internetzugang ohne Gerichtsverhandlung schon im Rahmen der normalen Strafverfolgung abgeknipst werden könnte.

Justiz ohne Justiz.

Wo wir gerade bei gestohlenen, geschaffenen oder eingebildeten Werten sind: Stasi- Innenminister Schäuble gibt am Rande des “Wertekongresses” seine Meinung zu dem ihm mutmaßlich unbekannten Medium “Internet” zum Besten:

Kultur wie Marktwirtschaft gehen nicht ohne den Schutz geistigen Eigentums.

Und außerdem: das Internet dürfe kein rechtsfreier…ach…den Rest kennt Ihr sicher schon auswendig. Das wird wohl niemanden mehr wundern.

Was hingegen verwundern könnte, ist Schäubles Offenbarung, die “soziale Kontrolle werde schwächer” und biete somit keine ausreichende Sicherheit mehr. Ganz klar: da muss mehr Videoüberwachung her, Herr Schäuble! Denn wir Bürger kontrollieren uns nicht ausreichend!

Ein Punkt, in dem Schäuble und Merkel vermutlich Hand in Hand gehen können:
Damals, in der DDR, da war das viel besser! Jeder hat jeden verpfiffen, da brauchte man keine Videoüberwachung! Was das an Steuergeldern einspart…nicht auszudenken!

Ihr merkt gerade, dass meine anfangs angepriesenen Kontraste, aber auch das damit verbundende Gleichgewicht, gerade arge Schlagseite erleiden.

Denn ungeachtet den erfreulichen Meldungen aus Rumänien finanziert die EU heimlich, still und leise ein Projekt namens “Indect“.

Ich nenne es: “Big Brother“.

14,86 Millionen Euro unserer wertvollen Steuergelder verwendet man darauf, unserer Freiheit den Gar endgültig aus zu machen.

“Die Zeit” titelt dazu schlicht und ergreifend: Indect – der Traum der EU vom Polizeistaat

Ein paar pikante Details:

  • alle bestehenden Überwachungstechnologien sollen zusammengeführt werden
  • automatisierte Suchroutinen sollen im Web nach “Gewalt”, “Bedrohungen” und “abnormalem Verhalten” fahnden. Wie diese Begriffe definiert sind, bleibt jedoch offen.
  • “Indect” soll zum Werkzeug der Polizei werden, um “verschiedenste bewegliche Objekte” immer und überall zu observieren
  • …die Liste kann noch munter und erschreckend weitergeführt werden…

Besonders klar wird die Brisanz in folgendem Absatz:

In irgendeiner Weise auffällig gewordene Menschen in der Realität schnell entdecken und langfristig verfolgen zu können. Wer beispielsweise bei YouTube ein Drohvideo gepostet hat, der soll mithilfe von Überwachungskameras gesucht, via Suchmaschine identifiziert und mittels tragbarer Geräte von Polizisten verfolgt werden können.

Der Artikel ist definitiv eine Empfehlung wert. Besser, als jede Gruselgeschichte. Krasser und vor allem realistischer als “1984“.

In diesem Kontext meldet sich dankenswerterweise Telepolis mit der Schlagzeile “Kritik am Stockholm Programm” zu Wort und berichtet über die EU-Pläne zur inneren Sicherheit für die nächsten Jahre.

In der Zwischenzeit sammelten sich eine Hand von Artikel zu den Plänen, uns gottähnlich vor dem Bösen zu schützen…

Du umgibst mich von allen Seiten, und hältst deine Hand über mir.

Dass die Bibel stets eine gewisse Aktualität besitzt, beweist Andreas Bemeleit auf bedrückende Weise. Psalm 139, Vers 5 wirkt gerade zu ironisch, betrachtet man sich das heutige Kontrastprogramm zwischen Wahlversprechen und eiskalter Freiheitsberaubung unter dem Deckmantel der Strafverfolgung.

Wem es so vorkommt, dass mein wunderbares Gleichgewicht zwischen Dunkel und Hell, Schwarz und Weiß _etwas_ aus den Fugen geraten ist…ja. Das ist es.
Wir beobachten in diesem Tagen der herbsten Angriff auf unsere Freiheitsrechte seit…ja…seit wann denn…? Wenigstens seit dem 2. Weltkrieg.

Vor Tagen formulierte ich in einer Rundmail über Indect den Satz: “Beware 1984.”

Korrekterweise muss es heißen:

Fight 1984. Now.

[Update 15.10.2009]
Der aktuelle Entwurf des Stockholm Programms wurde geleakt (Entwurf Stockholm Programm (lokale Kopie) (223))

Gedankendelikte

Jetzt schlägt’s aber 13. Wenn wir nun auch schon für reine Gedanken bestraft werden sollen, können wir uns auch direkt einsargen lassen…und das alles unter dem scheinheiligen Deckmantel der Sicherheit!

Willkommen 1984.

[Update 30.01.09]: Die SZ hat dazu einen Artikel mit Lesebefehl verfasst.

Lidl, die 2.

Noch klingen uns die Überwachungsmaßnahmen des Discounters Lidl recht lebhaft in den Ohren, da kommt die nächste Hiobsbotschaft. Schlimm genug, dass Lidl systematisch seine Mitarbeiter mit kleinen Kameras ausgespäht haben soll, doch dass nun auch die Kunden von eben jenen Kameras gefährdet sind, setzt der ganzen Geschichte die Krone auf.

Hintergrund des Ganzen sind die EC-Zahlungsterminals an den Lidl-Kassen. Da die Kameras zum Teil direkt über den Kassen angebracht zu sein scheinen, haben sie konsequenterweise auch Einsicht auf das PIN-Pad der Terminals. Unbedarfte Kunden, die die eigenen Eingaben beim Tippen nicht verdecken, werden gnadenlos mitgefilmt. Und bingo: vielen Dank für die PIN.

Hier Absicht durch die Verantwortlichen zu unterstellen, würde sicher zu weit führen, dennoch ist es aus meiner Sicht ausgesprochen kritisch, die PIN der Kunden, wenn auch unbeabsichtigt, aufzuzeichnen. Im Zweifelsfall ist hier dem Datenmissbrauch Tür und Tor geöffnet.

In diesem Sinne: Zahlt bei Lidl (bzw. generell) lieber bar oder verdeckt das PIN-Pad, so dass ein Abfilmen nicht möglich ist. Besser ist das…

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