Macht uns das Internet einsam?

Heute unter der Dusche. Da kam mir ein Gedanke. Ein Gedanke, den schon Leute vor mir gedacht haben. Ungeachtet dessen möchte ich diesen Gedanken ein wenig ausführen. Eines jedoch vorweg: ich komme zu keinem eindeutigen Ergebnis auf die Frage “Macht uns das Internet einsam?”

Immer wieder widerfahren mir Szenen wie diese:

Ich unterhalte mich mit Menschen über Thema XY, jeder steuert seinen Teil (un-)gesunden Halbwissens hinzu und es entsteht eine muntere Diskussion um Faktum Z. Jeder meint, es besser zu wissen und so findet sich in 99% der Fälle ein Individuum in der Runde, das sein Smartphone zückt und mal eben die allwissende Müllhalde befragt. Dank der heutigen Technik alles kein Problem – beinahe jede Information ist nur ein paar Fingertips entfernt und binnen Sekunden trägt einer aus der Runde den “I knew it best”-Award von dannen.

Die sich daraus entwickelnde Besserwisser-Kultur ist die eine Sache. Eine andere jedoch das Verhalten der Menschen untereinander. gidf.de ist ein gutes Beispiel dafür. Diese Seite ist Ausdruck eines Miteinanders, das Unwissen des Gegenübers nicht mehr toleriert, sondern ihn sogar recht unsanft darauf hindeutet.

Aber einsam? Wir? Haben wir nicht alle unseren Facebook-, Twitter- oder Google+-Account, liken, retweeten und teilen wir nicht alle wie die Wilden mehr oder minder belangloses Zeug mit unseren “Freunden”, Followern und Kreisen? Ja. Und nie war die Interaktion zwischen Menschen derart granular und gleichzeitig großflächig. Ein Klick von unterwegs und alle wissen Bescheid.

Aber mal ehrlich. Warum sollte ich mich dann mit meinen Freunden noch real treffen, wenn ich sie und all jene Pseudo-Bekanntschaften aus dem Internet doch jederzeit online treffen kann? Gleiches gilt für das Thema “Unwissenheit”. Mittlerweile suche ich Informationen vornehmlich alleine im Netz, bevor ich jemandem mit meinen Fragen auf die Nerven gehe und seine Zeit raube. Warum? Ein Grund mag sein, dass Zeit dieser Tage neben Geld unser höchstes Gut zu sein scheint. Niemand hat Zeit. Niemand nimmt sich Zeit. Und da verwundert es nicht, dass man anderen Menschen jenes Gut ungern rauben möchte.

Und so hemmen diese massiven Kommunikationsmöglichkeiten womöglich sogar unser soziales Zusammenleben, vereinfachen Kurzmittelungen die Tiefe unserer Kommunikation. Non-verbale Kommunikation findet faktisch nicht statt. Mit allen Folgen und Seiteneffekten. Wem ist es noch nicht passiert, dass eine eMail vollkommen missverstanden wurde, da die Schriftform Emotionen nicht ausreichend darzustellen vermag?

Meinem persönlichen Eindruck nach wirken die nicht mehr ganz so neuen Medien in zweierlei Richtung. Sie können reale Kontakt sinnvoll ergänzen (“Hey, dass was Du da gestern gewittert hast…cool!”), stellen für sich alleine betrachtet jedoch kein ausreichendes Kommunikationsmittel dar. Wir ohnehin als kontaktscheu geltenden Informatiker neigen ganz gerne mal dazu, das Reallife Reallife sein zu lassen und den Freunden lieber im sozialen Netzwerk des geringsten Misstrauens unseren Seelenzustand zu posten.

Wie bereits erwähnt, komme ich in diesem Thema zu keiner für mich eindeutigen Antwort. Die einen mögen die schöne neue Kommunikationswelt dafür nutzen, ihren ohnehin unerschöpflichen Wortvorrat in der Welt zu verteilen, andere ziehen sich auf diesen Kommunikationsweg zurück, um sozialen Kontakten aus den verschiedensten Gründen aus dem Weg zu gehen.
Wie immer ist es also an uns mündigen Menschen, auf das eigene Wohl zu achten und den Bogen weder in die eine, noch in die andere zu überspannen.

Eure Meinung? Die interessiert mich. Was denkt Ihr? Macht uns das Internet einsam?

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